Hirn & Glas

Um Raumbeschriftungen in einem Arbeitsgebäude gleichermassen kunstreich, einzigartig, zweckmässig und aussagekräftig zu gestalten, braucht es ein klares, durchdachtes Konzept, eine kreative, massgeschneiderte Umsetzung und perfektioniertes Handwerk. Voraussetzungen, mit denen sich die Beteiligten an diesem Projekt bestens auskennen.

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Die Aufgabe
Orientierung und Atmosphäre sind für die Schaffung eines inspirierenden und zugleich zweckorientierten Arbeitsumfelds essenziell. Diesem Credo folgte auch der Anspruch an die neue Signaletik im Gebäude des Biotech-Unternehmens Neurimmune. Die Schlieremer Firma entwickelt auf menschlichen Antikörpern beruhende Therapeutika für die Behandlung und Prävention verschiedener Krankheiten, darunter Alzheimer, Parkinson oder Diabetes. Der Stil der Signaletik sollte zwar inhaltlich dieser Thematik entsprechen, jedoch formtechnisch keine typisch wissenschaftlichen Illustrationen enthalten – denn Ästhetik und Einklang mit der Atmosphäre durften nicht zu kurz kommen. Gleichzeitig sollte ein System erarbeitet werden, das repräsentative Sitzungsräume speziell hervorhebt und sich deutlich von Büroräumen und Laboren abhebt.

Die Lösung

Um allen Ansprüchen gerecht zu werden, waren in diesem Fall tatsächlich viele Köche nötig. Zusammen verdarben sie nicht den Brei, sondern verfeinerten ihn sogar noch. An dem Prozess – von der Erfassung der Aufgabe über die Suche nach der Lösung bis zur praktischen Umsetzung – waren verschiedene Parteien beteiligt.

Das Atelier Frédéric Dedelley entwickelte zusammen mit Martin Stoecklin, Melina Wilson vom Büro für visuelle Kommunikation und Dominic Fiechter das gesamte Konzept. Dieses umfasste die Idee und Logik der Namensgebung für die Räume: Jeder Raum sollte mit einer Namenstafel neben der Eingangstür beschriftet werden. Die Sitzungsräume bekamen die Bezeichnungen einzelner Hirnregionen zugewiesen, während Büros und Labore mit den Namen bedeutender Forscher und Forscherinnen versehen wurden. Die Namen der Räumlichkeiten sind jeweils auf den Tafeln kurz erläutert. Zusätzlich wurde für jede Hirnregion eine piktografisch stilisierte Visualisierung kreiert.

Die Wahl des Materials für die Tafeln war schnell getroffen: Glas. Glas passt nicht nur in den Kontext eines Labors (man denke etwa an Petrischalen oder Rundkolben), sondern ermöglicht ein Spiel mit Transparenz, Opazität und 3-D-Effekten. Während die Raumbezeichnung jeweils auf der vordersten Oberfläche des Glases aufgetragen wurde, befindet sich die Erklärung auf der Rückseite bzw. zwischen zwei Gläsern und somit eine visuelle Ebene weiter hinten. In Anlehnung an die innenarchitektonischen Überlegungen sollten die Wandtafeln zudem zur Farbgebung der Wände passen – auch dafür ist das Multitalent Glas mit seinen endlosen Gestaltungsmöglichkeiten prädestiniert. Und hier kam Quendoz Glas ins Spiel.

Die Umsetzung
Am Anfang hiess es: ausprobieren. Zuerst auf Kartonmustern, dann auf ersten Glasmustern. In enger Zusammenarbeit und im stetigen Austausch wurde so schrittweise auf das Endprodukt hingearbeitet. An Herausforderungen hat es dabei nicht gemangelt: Um die Hirnregionen zu visualisieren, kamen unterschiedlichste Techniken für die Glasoberflächenbearbeitung zum Einsatz. So wurde beispielsweise transparentes Glas vollflächig lackiert, um es teilflächig wieder zu entschichten und mit einer anderen Farbe zu lackieren. Farbige Folien betonen kleine Details. Und das Rezept für den 3-D-Effekt? Mehrere Tafeln aufeinanderkleben und die Namen auf der Vorderseite des Glases anbringen, während die Beschriftungen auf der Rückseite spiegelverkehrt in zwei Schichten aufgetragen werden. Damit die beiden verklebten Glastafeln genau gleich gross werden, bedarf es einer millimetergenauen, präzisen Kantenbearbeitung. Sämtliche Arbeitsschritte wurden einzeln sowie von Hand ausgeführt und stellen dadurch höchste Ansprüche an die Genauigkeit.

Auch die Auswahl der Farben erfolgte mit äusserster Sorgfalt: Das Farbkonzept stützte sich auf die definierten Farben von Le Corbusier. Für die Lackierung mussten diese Farben in NCS-Farben übersetzt werden. Dabei galt es insbesondere zu berücksichtigen, dass auch das Glas selbst eine Eigenfarbe besitzt. Schritt für Schritt musste so jeder Farbton gefunden und perfektioniert werden.

Nachdem alle Tafeln fertiggestellt waren, ging es an die Platzierung und Befestigung im Raum. Die komplexe räumliche Situation erforderte teils unkonventionelle Lösungen für die Platzierung der Beschilderungen. So mussten etwa die Glastafeln auf Glastüren aufgeklebt werden, woraufhin auch die Rückseite des Glases zu kaschieren war.

«Der Weg zur Lösung war kein offensichtlicher. Er erforderte eine enge Zusammenarbeit und einiges an Experimentierfreudigkeit. Diese haben wir bei Quendoz Glas jedoch zum Glück gefunden», freut sich Frédéric Dedelley. Betrachtet man das fertige Resultat, steht jedoch zweifellos fest: All die Mühe und der Aufwand haben sich gelohnt. «Es ist eine schöne Lösung. Eine, die sowohl grafisch überzeugt und ästhetisch ansprechend ist als auch von den Wissenschaftlern verstanden wird.» – «Ja, wir sind sehr zufrieden», bestätigt Martin Stoecklin. «Die handwerklichen Details und die Wertigkeit der Tafeln sind wirklich gelungen. Besonders das Wechselspiel von Transparenz und Opazität, das Durchschauen und Verdecken, das Sichtbarmachen und die Farbigkeit sowie die spezielle Materialität gefallen uns ausserordentlich.»

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